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Datensouveränität 2026: Anspruch hoch, Umsetzung hinkt hinterher

Die BARC-Studie „Data Sovereignty 2026" zeigt: Anspruch und Umsetzung klaffen weit auseinander. Wir ordnen die wichtigsten Zahlen ein und zeigen, warum „Cloud oder On-Premises?" die falsche Frage ist.

Kaum ein Thema hat in den letzten zwölf Monaten einen ähnlichen Sprung vom Nice-to-have zur Chefsache gemacht wie Datensouveränität. Neue Regularien, geopolitische Verschiebungen und die wachsende Abhängigkeit von einzelnen Cloud-Anbietern haben aus einem Compliance-Thema eine strategische Frage gemacht. Das Problem: Zwischen dieser neuen Dringlichkeit und dem, was Unternehmen tatsächlich umsetzen, klafft eine erhebliche Lücke.

Das zeigt die aktuelle BARC-Studie „Data Sovereignty 2026“, für die 320 Unternehmen weltweit befragt wurden. Die Zahlen lohnen einen genaueren Blick – denn sie erklären, warum „Wir nehmen Souveränität ernst“ und „Wir haben Souveränität im Griff“ zwei sehr unterschiedliche Aussagen sind.

 

Die Zahlen zeigen: Souveränität ist im Vorstand angekommen
89 Prozent der befragten Unternehmen halten Datensouveränität heute für wichtig oder sehr wichtig. 51 Prozent stufen sie sogar als sehr wichtig ein – ein Sprung von 42 Prozent im Vorjahr. Nur 2 Prozent halten das Thema für unwichtig. Besonders klar ist das Bild in regulierten Branchen wie Finanzdienstleistung oder Gesundheitswesen, wo rund zwei Drittel der Unternehmen Souveränität als sehr wichtig einstufen.

Und die Entwicklung ist noch nicht am Ende: 76 Prozent der Unternehmen erwarten, dass die Bedeutung des Themas weiter zunimmt. Kaum jemand rechnet mit einer Entspannung.

Auf dem Papier ist die Sache also klar. Souveränität ist kein Randthema der IT-Abteilung mehr, sondern eine strategische Voraussetzung dafür, Kernprozesse verlässlich mit Daten und KI zu betreiben.

 

Und trotzdem: 40 Prozent investieren gar nicht
Hier beginnt die Lücke. Während knapp ein Drittel der Unternehmen Datensouveränität bereits fest in der Daten- oder Digitalstrategie verankert hat, adressiert ein weiteres Drittel das Thema nur selektiv in einzelnen Initiativen – und ein gutes Viertel behandelt es lediglich implizit oder gar nicht systematisch.

Noch deutlicher wird die Zurückhaltung bei der Finanzierung: 40 Prozent aller Unternehmen haben bislang keinerlei Investitionen in Souveränitätsinitiativen getätigt. Nur 10 Prozent verfügen über ein dediziertes Budget, die übrigen 49 Prozent finanzieren entsprechende Maßnahmen irgendwie aus laufenden IT- oder Cloud-Budgets mit.

Auffällig ist dabei auch ein regionaler Unterschied: In Nordamerika investieren 73 Prozent der Unternehmen aktiv in Souveränität – in Europa sind es nur 56 Prozent, obwohl die grundsätzliche Bedeutung des Themas hier kaum geringer eingeschätzt wird. Anspruch und Handeln fallen in Europa also besonders weit auseinander.

 

Wo die Lücke am stärksten sichtbar wird: Governance und Architektur
Ein Blick auf den Reifegrad zeigt, warum eine reine Absichtserklärung nicht ausreicht. Unternehmen wurden gefragt, wie weit sie in drei Dimensionen sind: strategische Verankerung, Governance und technische Architektur. Das Ergebnis:

  • 44 Prozent berichten eine gut entwickelte strategische Verankerung
  • 46 Prozent eine gut entwickelte technische Architektur
  • aber nur 38 Prozent eine tatsächlich angewendete Governance

Strategiepapiere lassen sich vergleichsweise schnell schreiben. Governance-Prozesse und Architekturmuster dagegen müssen operationalisiert, standardisiert und im Alltag durchgehalten werden – und genau da hakt es. Selbst Unternehmen, die Souveränität bereits strategisch verankert haben, zeigen in Governance und Architektur oft noch deutliche Lücken.

 

Warum das mehr ist als eine Compliance-Frage
Ein Teil der Erklärung liegt darin, wie sich die Treiber hinter dem Thema verschieben. Gesetzliche und regulatorische Vorgaben sind zwar weiterhin der wichtigste externe Treiber (61 Prozent), ihr relativer Anteil sinkt aber leicht. Gleichzeitig gewinnen andere, risikobezogene Faktoren an Gewicht: politische Entwicklungen in den USA (von 46 auf 54 Prozent), Cybersicherheitsvorfälle (von 42 auf 49 Prozent) und die Sorge vor Abhängigkeit von einzelnen Public-Cloud-Anbietern (von 40 auf 46 Prozent).

Intern ist der stärkste Treiber ein anderer: 62 Prozent der Unternehmen nennen den wachsenden Einsatz von Daten und KI in Kernprozessen als Hauptgrund, warum Souveränität heute relevanter ist als noch vor einem Jahr. Wer KI produktiv einsetzt, kann sich unklare Kontrollverhältnisse schlicht nicht mehr leisten.

Mit anderen Worten: Souveränität ist längst kein Thema mehr, das man mit einer Unterschrift unter eine Richtlinie erledigt. Sie verlangt fortlaufende, konkrete Entscheidungen – und genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

 

Die eigentliche Frage lautet nicht „Cloud oder On-Premises?“
Ein Grund, warum so viele Unternehmen bei der Umsetzung ins Stocken geraten, liegt in der Fragestellung selbst. Wer Souveränität als einmalige Grundsatzentscheidung zwischen „Cloud“ und „On-Premises“ begreift, sucht nach einer Antwort, die es in dieser Form gar nicht gibt. Die Unternehmen, die in der Studie den größten Fortschritt zeigen, stellen stattdessen eine andere Frage: Welches Betriebsmodell passt zu dieser einen Workload – mit ihren jeweiligen Anforderungen an Datenschutz, Kritikalität, Integration, Performance, Kosten und Portabilität?

Diese differenzierte Herangehensweise lässt sich lernen und wiederholen. Sie braucht allerdings eine Methode, mit der sich Entscheidungen nachvollziehbar treffen und dokumentieren lassen – nicht nur ein weiteres Strategiepapier.

 


Damit aus Anspruch Umsetzung wird

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