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Vorfahrt für Netflix oder Homeoffice? Da war doch was mit Netzneutralität...

Als im 14. Jahrhundert in Florenz die Pest wütete, zogen sich in der Novellensammlung „Il Decamerone“ des italienischen Schriftstellers Giovanni Boccaccio zehn junge Leute in ein Landhaus zurück und erzählten sich gegenseitig Geschichten. In der Corona-Krise sitzen sie zu Hause und nutzen das Internet, um sich Geschichten zu erzählen oder erzählen zu lassen. Das belastet die Netzinfrastruktur erheblich – und erfordert ungewöhnliche Maßnahmen.

SpaceNet Mitarbeiter Felix Netzheimer macht sich Gedanken über die Netzneutralität

Das Internet – unendliche Weiten und gefühlt immer zu wenig Bandbreite. Das gilt in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen, Quarantäne und Homeoffice besonders. Allerdings sind die Zahlen zum aktuellen Anstieg des Datenverkehrs uneinheitlich, stammen von unsicheren Quellen oder sind wegen unterschiedlicher Grundlagen kaum vergleichbar. Vieles verlagert sich auch nur: Zum Beispiel registrieren alle drei großen Telekommunikationsnetzbetreiber in Deutschland einen deutlichen Anstieg bei Telefonaten, sowohl über das Festnetz als auch im Mobilfunk. Beim mobilen Surfen berichten sie dagegen von einem Rückgang – kein Wunder angesichts leerer Straßen und Plätze.

Dennoch hat bereits am Sonntag der Streaming-Dienst Netflix angekündigt, für seine Kunden in Europa für die kommenden 30 Tage die Übertragungsmengen zu verringern, einfach durch Verzicht auf ultrahochauflösende Videos. Er reagiere damit auf die wegen der Corona-Krise auf das Internet zugekommenen besonderen Belastungen. Kurz darauf haben Apple, Amazon, Disney+ und YouTube ebenfalls angekündigt, die Bildqualität ihrer Streaming-Angebote zu reduzieren, um pro Film oder Videoclip weniger Daten zu übertragen.

Sehr viele Menschen arbeiten jetzt im Homeoffice – wir bei SpaceNet, soweit es irgend geht, übrigens auch – und greifen von zu Hause auf Ressourcen in ihren Firmen zu. Dazu kommen Millionen Menschen, die nicht mehr in Kinos, Restaurants und Gaststätten gehen und auf den Besuch im Fitnesscenter oder im Sportverein verzichten müssen. Sie alle greifen verstärkt auf das Internet zu. Neben Nachrichtenseiten dürften Streaming-Dienste das besonders stark spüren.

Aufgrund der großen Datenmengen und der Echtzeitanforderungen belasten sie die Internetleitungen besonders. Denn so anspruchsvoll sind wir schon: Nur weil Krisenzeiten sind, muss man sich ja noch lange keine ruckeligen Filme mit zahllosen Pixelfehlern antun oder gar auf akzeptable Ping-Zeiten fürs Online-Gaming verzichten, wie zahllose erboste Kommentare im Netz belegen.

Allerdings treffen hier zwei Interessensphären aufeinander: Die Anbieter der Dienste können sich (bis zu einem gewissen Grad, an dem dann auch ihre Infrastruktur an ihre Grenzen stößt) darüber freuen, dass sie zusätzliche Nutzer und Abonnenten gewinnen oder bestehende Kunden mehr ihrer Angebote nutzen – so lange sie dafür auch mehr bezahlen. Die Netzbetreiber dagegen sind wieder an dem Punkt, wie vor Jahren schon einmal, als sie sich, berechtigt oder nicht, lediglich als unbezahlte Wasserträger anderer sehen, die den Lohn einstreichen. Fest steht, dass niemand etwas davon hat, wenn das komplette Netz verstopft ist.

Es ist gut, dass die Streaming-Dienste freiwillig Maßnahmen zur Netzschonung ergreifen. Ob, wann und wie stark nämlich die Netzbetreiber in den Datenverkehr eingreifen dürfen, war bereits vor knapp zehn Jahren unter dem Namen Netzneutralität Thema eines erbitterten Streits.

Netzneutralität bietet genügend Diskussionsstoff – das fängt doch schon bei der Definition an. Die vielfach damit geforderte „Gleichbehandlung von Daten bei der Übertragung im Internet, unabhängig von Sender und Empfänger, dem Inhalt der Pakete und der Paketanwendung“ hört sich gut an, ist aber praxisfern, wie der Vorstand von SpaceNet bereits damals in seinem Blog ausgeführt hat. Bemerkt ein guter Internetprovider etwa, dass gerade ein Angriff auf einen seiner Kunden stattfindet, sperrt er, wenn möglich, die Senderadresse. Auch im ganz normalen Alltag muss Datenverkehr ungleich behandelt werden. Ein Telefongespräch oder eine Videokonferenz muss alleine schon deshalb priorisiert werden, um eine Mindestqualität sicherzustellen. Ob eine Dateiübertragung oder der Versand einer E-Mail dafür minimal verzögert wird, ist in der Regel unerheblich.

Dennoch ist die aktuelle Situation für die Streaming-Anbieter unangenehm. Ihnen droht der Schwarze Peter zugeschoben zu werden, wenn die Netze aus welchen Gründen auch immer im weiteren Verlauf der Corona-Krise in Schwierigkeiten geraten. Da ist es weise, sich schon jetzt selbst zu beschränken. Gleichzeitig ist es gut fürs Image – obwohl man den Kunden eigentlich die Leistungen kürzt, denn man zeigt sich als Unternehmen, das die Krise ernst nimmt und für das größere Gemeinwohl handelt. Und wer weiß: Vielleicht stehen dahinter auch ganz konkrete, wirtschaftliche Überlegungen. Denn wie schon gesagt, auch die Infrastruktur der Anbieter wird durch die zusätzliche Nachfrage belastet. Und ob diese Belastung in einem stark umkämpften und preissensitiven Markt von vorne herein einkalkuliert war, darf bezweifelt werden. Eins kann man auf jeden Fall sagen: Alle Eltern werden Netflix sicher dafür danken. Denn es wird „hausgemachte“ Probleme lösen. Manchmal ist nämlich nicht die Netzanbindung die Ursache, sondern die Hausanbindung, die die Kinder durch exzessive Nutzung für das Homeoffice einschränken. Und erklären Sie mal einem Pubertierenden, dass er die Auflösung verringern kann. Da ist es einfacher, wenn das der Anbieter gleich macht.

Bei SpaceNet ist das übrigens anders. Unsere Rechenzentrumskapazitäten sind von Anfang an auf anspruchsvolle Business-Nutzung ausgelegt – und damit auch für Krisen bestens gerüstet.

Ein Kommentar von Felix Netzheimer


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